Montag, 1. Dezember 2025

Ursprung des Web und Überblick

 

Das World Wide Web

Das World Wide Web entstand Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre am Forschungszentrum CERN in Genf. Tim Berners-Lee hatte dort erkannt, dass Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Computersystemen große Probleme hatten, Informationen auszutauschen. Deshalb schlug er 1989 ein hypertextbasiertes System vor — 1990 folgten der erste Webserver und der erste Webbrowser. 1991 wurde das Projekt öffentlich gemacht, und 1993 stellte CERN das Web kostenlos und ohne Lizenzgebühren der Allgemeinheit zur Verfügung. CERN-short-History

Technisch beruhte das Web auf drei zentralen Innovationen: der Beschreibungssprache HTML für Dokumente, dem Übertragungsprotokoll HTTP und der Idee der Verknüpfung von Dokumenten über URLs/Hyperlinks. Damit entstand ein Netzwerk von Dokumenten und Ressourcen, das über das globale Internet verknüpft war — ein dezentrales, offenes System, das grundsätzlich jedem zugänglich sein konnteWikipedia - WWW

Damit verwandelte das WWW das Internet — ursprünglich ein Geflecht von Rechnernetzen und Infrastruktur — in eine benutzerfreundliche, global nutzbare Plattform für Kommunikation, Wissen, Kreativität, Kollaboration und Austausch. Heute ist das Web für Milliarden Menschen weltweit Alltag — es ist unser Raum für Information, Verbindung, Meinungsbildung, Lernen, Arbeiten, Kreativität. Wikipedia www

Die Vision: Gemeinnützigkeit, Offenheit, Teilhabe

In seinem Buch „This Is for Everyone“ zeichnet Berners-Lee sehr klar, wofür er das Web gedacht hatte: nicht als profitgesteuertes Geschäft, nicht als Monopolinstrument großer Firmen, sondern als freies, offenes Medium„für alle“. Seine Absicht war es, den Mangel an Interoperabilität zwischen verschiedenen Dokumentensystemen zu beheben, aber auch ein Instrument für Zusammenarbeit und freien Austausch zu schaffen. Er schreibt:

„Ich hoffte, auf diese Weise den Mangel an Interoperabilität zwischen verschiedenen Dokumentensystemen beheben zu können, aber auch ein Tool für Kollaboration zu schaffen.“THIS is for everone

Das Web war als ein gemeinschaftliches, dezentrales, demokratisches Gut gedacht: Jeder — egal woher — sollte Zugang haben, Inhalte erstellen, teilen, mitgestalten können. Es sollte Möglichkeitsraum sein: für Wissen, Kreativität, Beteiligung, freie Meinungsäußerung. Diese Idee steht im Zentrum von Berners-Lees Engagement — bis heute, über Organisationen wie das World Wide Web Consortium (W3C) oder die World Wide Web Foundation. —  W3C webfoundation.org

Wandel — und warum Gemeinnützigkeit in den Hintergrund gerückt ist

Leider hat sich das Web in den Jahrzehnten
seit seiner Erfindung stark verändert
— und viele der ursprünglichen Ideale
sind unter Druck geraten. 

In Rezensionen zu Berners-Lees Buch wird deutlich hervorgehoben: Was als „offenes Netz für alle“ begann, droht heute durch große Konzerne, wirtschaftliche Interessen, Monopolisierung und datengetriebene Geschäftsmodelle vereinnahmt zu werden.  —  büchermenschen Perlentaucher

Statt dezentrale Vielfalt liefern wenige mächtige Plattformen Inhalte und Angebote — mit Algorithmen, die Aufmerksamkeit steuern, Daten monetarisieren und Nutzer oft zu Produkten machen. Die ursprüngliche Vision eines freien, gleichberechtigten Webs für alle Menschen läuft Gefahr, sich in ein neoliberal-marktradikales Ökosystem zu verwandeln, in dem Profit, Kontrolle und Kommerz dominieren. 

In diesem Sinne sieht Berners-Lee die Offenheit des Webs bedroht. — Deutschlandfunk Kultur Buchbesprechung

Dass das Web heute vielfach Instrumente der Überwachung, Daten­ausbeutung, algorithmischen Steuerung und politischen oder wirtschaftlichen Macht ist — das steht dem ursprünglichen Geist der Gemeinnützigkeit diametral entgegen. Das finde ich bedauerlich.

Hoffnung auf Wandel — und die Bedeutung der Rückbesinnung

Trotz dieser Entwicklungen bleibt die Vision, für die das Web ursprünglich gedacht war — und die Berners-Lee auch heute noch vertritt — für mich wichtig und wertvoll. 

Die Idee eines offenen, demokratischen, partizipativen Webs sollte nicht verloren sein. Viele der technischen Möglichkeiten bleiben: Offene Standards, dezentrale Architektur, Mitbestimmung, Transparenz, Teilhabe. Gerade in Zeiten, in denen Macht und Kommerz das Netz zu dominieren drohen, ist eine Rückbesinnung auf diese Werte notwendig.

Das Buch „This Is for Everyone“ kann dabei ein Leitfaden sein — ein Aufruf, das Web nicht als Ware, sondern als Gemeingut zu begreifen, und es so mitzugestalten, wie Berners-Lee es sich vorstellte: als Raum für alle, als gemeinsame, kollektive Möglichkeit. Ich glaube: Wenn wir uns bewusst machen, dass das Web ursprünglich ein Geschenk an die Menschheit war — und kein Produkt —, kann sich vielleicht wieder etwas ändern.

Eine der folgenreichsten Erfindung der modernen Geschichte 

Das World Wide Web ist eine der folgenreichsten Erfindungen der modernen Geschichte — eine Errungenschaft, die aus dem Wunsch nach freiem Wissen, Austausch und Zusammenarbeit geboren wurde. Die Vision dahinter war klar: ein Web, das allen gehört — nicht einigen wenigen. Doch im Laufe der Zeit ist diese Vision durch ökonomische Kräfte, Machtinteressen und Kommerz in den Hintergrund gedrängt worden.

Dennoch — oder gerade deshalb — bleibt die ursprüngliche Idee wichtig und aktuell. Offenheit, Teilhabe, Transparenz, Freiheit und demokratische Mitgestaltung sind Werte, für die es sich zu kämpfen lohnt. Das Web kann wieder zu dem werden, was es einmal sein sollte: Ein Ort für alle — nicht nur für diejenigen, die zahlen können oder die Macht haben.

Ursprung des Web und Überblick

  Das World Wide Web Das World Wide Web entstand Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre am Forschungszentrum CERN in Genf . Tim Berners-Lee...